Wäre Dressurreiten einfach, wären die Springplätze leer

Das war in letzter Zeit oft auf Facebook zu lesen.

Da mir Dressurlektionen am Herzen liegen, habe ich diese Aussage zum Anlass genommen, um ein paar Gedanken aufzuschreiben, die vielleicht den einen oder anderen motivieren könnten, mehr Interesse für das Dressurreiten zu entwickeln:

Dressurreiten ist relativ unpopulär. Es scheint mehr einer reitenden Elite „Spaß“ zu machen. Und das Springreiten ist neben dem Westernreitsport gerade sehr angesagt. Dabei könnte man den Eindruck bekommen, dass es beim Reitsport oftmals um einen schnellen Erfolg geht und um angesagte Trends.

Natürlich geht es zum Glück auch um geteilte Interessen und gemeinsame Freizeitbeschäftigung.

Doch die lassen sich mit der Dressurreiterei eher schwer kombinieren.

Dressurreiten bedeutet in der Regel: kein schneller Erfolg, sondern langes Ausbilden, Trainieren, Üben. Vielleicht gehört die Dressur deshalb nicht zu den IN-Sportarten.

Auch für Zuschauer ist ein Dressurturnier leider weniger spektakulär, wenn sie sich nicht ein bisschen auskennen.

Und das ist nicht nur in Südtirol so.

Warum es mir dennoch ein wichtiges Anliegen ist etwas über das Dressurreiten zu sagen:      

Sehr am Herzen liegen mir (und zu meiner Freude auch vielen anderen Pferdebesitzern) die Ausbildung von Pferd UND Reiter und ein Umgang miteinander, der frei ist von Grobheiten, Stress, Zwang und Aggressionen.

Und Lektionen aus der Dressur bieten eine gute Möglichkeit sich mit den Grundlagen der Reiterei vertraut zu machen – ganz gleich für welche Reitweise man sich dann entscheidet!

Durch gymnastische Übungen, wie Seitengänge oder Tempowechsel werden beim Pferd die natürlichen Veranlagungen gefördert. Schon durch leichte Hilfen soll das Pferd reagieren. Dressurlektionen helfen das Pferd zu sensibilisieren, seine Kraft zu stärken und Beweglichkeit und Durchlässigkeit zu erhöhen.

Überprüft mal bei euch selbst:

die Zügelhilfe – das Pferd wird ausgebremst wenn Handgelenke und Arme des Reiters steif sind. Die Bewegung bleibt regelrecht stecken.

die Gewichtshilfe – bei stimmiger Beckenstellung entwickelt das Pferd Schwung. Ist sie falsch, wird es langsamer.

die Schenkelhilfen – ein klemmender Schenkel verspannt die Bauchmuskeln des Pferdes. Feine Impulse regen sie an.

Sich hin und wieder kräftig durchsetzen funktioniert auch.

Aber viel angenehmer für Reiter UND Pferd ist es zu spüren wie wenig Einwirkung ein Reiter braucht, wenn das Pferd sensibel reagieren kann und wieviel Aufmerksamkeit das Pferd dadurch bei der Arbeit zeigen kann.

Auch als Reiter sollte man an seiner Koordination und Fitness arbeiten. Ziele müssen nicht zu ehrgeizig sein, besser Zeit lassen und mit dem Körper, statt dem Kopf reiten und nachfühlen wie das Pferd auf die Hilfengebung reagiert.

Dr. Robert Stodulka, ein renommierter Veterinärmediziner und Facharzt für Physiotherapie in Wien, meint:

 „Der Grundgedanke der klassischen Dressur ist die möglichst lange Gesunderhaltung eines Reitpferdes durch das Praktizieren von gymnastischen Übungen, durch die das Pferd, ohne Schaden zu nehmen, in die Lage gebracht werden soll, für den Reitgebrauch nutzbar zu bleiben. Das Pferd soll durch die systematische Ausbildung schöner, ausdrucksstärker und selbstsicherer werden, wodurch sich das Gesamtbild eines [...] harmonisch gebauten Athleten ergibt.“

Mit anderen Worten: Der Weg ist das Ziel und die Freude an der Arbeit mit dem Pferd sollte im Vordergrund stehen. Schließlich können Dressurlektionen in jede Reitstunde eingebaut werden.

Natürlich ist auch ein Vergleich im Turnier interessant. Aber welchen Ehrgeiz man letztendlich entwickelt, wie weit man gemeinsam mit dem Pferd Dressuraufgaben reiten will ist gar nicht vorrangig wichtig, sondern bleibt eine ganz persönliche Entscheidung.

3-4 Dressurturniere gibt es jährlich auch in Südtirol. Es gibt immer wieder Treffen und Veranstaltungen, die sich speziell um das Thema Ausbildung in der Dressur bemühen. Seit kurzem gibt es auch einen Dressurförderverein Südtirol.

Für Kurse der verschiedensten Richtungen werden immer wieder internationale Reitlehrer und Trainer eingeladen.

Ich bin auf Reiturlaub Südtirol bemüht für euch alle diese Termine zu sammeln und rechtzeitig zu veröffentlichen.

 

Wen ihr fragen könnt, wenn ihr mehr wissen möchtet:

Roland Morat – FISE Sportrichter

Er hilft gern bei Fragen zur Turniervorbereitung und steht zur Verfügung bei Fragen zur Benotung der einzelnen Prüfungen.

roland.morat@yahoo.it

Christiane Hünefeldt-Ferretti – Voltigierinstruktorin, Trainerin C Westernreiten, Reiten als Gesundheitssport DSB - Übungsleiterin Prävention, Lizenz als Übungsleiterin B

Pichlerhof Elvas/Brixen

pichlerhof@hotmail.de

Sieglind Kritzinger Widmann – Geländerittführerin VFS, Kentauros Trainerin Atzwang

Sitzschulung

physio_widmann@hotmail.com

Petra Schomers – Trainerin C (FN), Geländerittführerin VFS Garmesegghof Sarntal

info@garmesegghof.it

Irene Erlmoser – Centered Riding ®, Instructor Level 1,FENA Dressur- und Springlizenz, Zert.

EREL® Trainerin St. Lorenzen Pustertal

office@balancepunkt-pferd.com

 



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